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Das Leben

Alles mit Links meistern

Albert Einstein war einer, Charlie Chaplin auch und Barack Obama ist wohl der mächtigste unserer Zeit - ein Linkshänder. Ob es diese Männer auch als 'erzwungene Rechtshänder' so weit gebracht hätten? Vielleicht nicht, denn: 'Für die geistige Entwicklung ist es höchst problematisch, wenn eigentliche Linkshänder angehalten oder gar gezwungen werden, mit der rechten Hand zu schreiben', erklärt Christine Jaehn, Ergotherapeutin und zertifizierte Linkshänderberaterin (nach der Methode Dr. B. Sattler).

Was instinktiv als gut empfunden wird, muss unterdrückt werden. Hierdurch kann im Kopf regelrechtes Chaos entstehen. Jeder Rechtshänder, der einen Text mit links schreiben muss, kann dies nachempfinden. Konzentrations- und Ausdauerprobleme, LRS-und AD(H)S-Symptomatik, starke Kopfschmerzen, Einnässen, Stottern und Selbstzweifel können Folgeerscheinungen sein, wenn Kinder und auch Erwachsene nicht mit ihrer 'richtigen' Hand arbeiten. 'Hier geht unglaublich viel Entwicklungspotenzial verloren', bedauert Christine Jaehn. Denn auch die intellektuellen Fähigkeiten können durch die Umschulung in Mitleidenschaft gezogen werden. 'Trotzdem beobachten wir regelmäßig, dass viele Eltern, aber auch andere, die es eigentlich besser wissen sollten, die Kinder immer noch auffordern, nur die rechte Hand zum Essen, Schreiben oder Zähneputzen zu benutzen, obwohl diese von sich aus die linke Hand wählen würden', erklärt die Ergotherapeutin. Sie arbeitet gemeinsam mit Kindern, Eltern sowie Lehrern und auch Ärzten daran, dass die Händigkeit richtig erkannt und gefördert wird.

In der Praxis von Christine Jaehn gibt es viele Kinder, bei denen noch nicht eindeutig zu erkennen ist, welche Seite für sie die 'richtige' ist. 'Diese wird bis zum Vorschulalter oft gewechselt, das ist ganz normal', so die Expertin gelassen. Kinder probieren in ihren ersten Lebensjahren viel aus und testen, welche Hand ihnen mehr liegt. Eine 'richtige' oder 'falsche' Seite gibt es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Hierbei üben sich auch die unterschiedlichen Anforderungen an die beiden Hände ein. Spätestens jedoch wenn der Einschulungstermin näherrückt und damit auch das in unserer Gesellschaft so wichtige Schreiben, sollten Eltern von Kindern ohne eindeutige Handpräferenz Experten um Rat fragen.

'Schreiben lernen ist an sich schon sehr anspruchsvoll, da ist es wichtig, dass jedes Kind von Beginn an seine 'starke' Hand gebraucht', betont die Ergotherapeutin. Mit speziellen Tests und Beobachtungen erkennt sie, wie oft und wie gut ein Kind welche Hand verwendet und vor allen Dingen auch für Spontanhandlungen nutzt. Wird beispielsweise eine Linkshändigkeit festgestellt, können gezielte Übungen den Einsatz dieser Hand festigen und die Feinmotorik verbessern. Viele Kinder erleben dann wahre Entwicklungssprünge, da sie nun endlich so arbeiten können, wie es für sie gut ist.

Selbst bei Erwachsenen, die in ihrer Kindheit von der linken auf die rechte Hand umgeschult wurden, kann eine Rückschulung auf links sinnvoll sein. 'Probleme und Blockaden können sich so minimieren oder sogar lösen', erläutert die Ergotherapeutin. Mit viel Einfühlungsvermögen arbeitet sie mit ihren Klienten daran, die linke Hand - nicht nur als Schreibhand - wieder zu nutzen. Das kann über einen Zeitraum von mindestens sechs bis zu neun Monaten dauern. Die Automatisierung dauert aber wesentlich länger. Diese Maßnahmen sollten jedoch nicht im Selbstversuch unternommen werden. 'Denn', erklärt Christine Jaehn 'es ist ein hochkomplexer Prozess, der den Betroffenen sehr viel abverlangt. Die gesamte Koordination muss neu erlernt werden.' Daher sollten Rückschulungen von erfahrenen und speziell ausgebildeten Therapeuten durchgeführt werden. 'Am besten wäre es natürlich, wenn es weder zu Um- noch zu Rückschulungen kommen müsste. Eltern sollten deshalb aufmerksam den Handgebrauch ihrer Kinder beobachten und gegebenenfalls gemeinsam mit Fachleuten richtig fördern', so das Resümee der Ergotherapeutin.

(Quelle: djd/ pt; Foto: djd/DVE/Harald Jeske/ Shotshop.com)