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Migräne

Kinder und Migräne

Migräne und andere Kopfschmerzformen sind nicht nur bei Erwachsenen ein großes medizinisches Problem, sondern auch bei Kindern. Studien zeigen, dass schon fünf Prozent aller Kinder im Schulalter unter einer Migräne leiden. Etwa 30 Prozent klagen über regelmäßig wiederkehrende Spannungskopfschmerzen.

Die Häufigkeit von Kopfschmerzen bei Kindern hat während der letzten 30 Jahre deutlich zugenommen. Kindliche Kopfschmerzen sind daher in den letzten Jahren zunehmend in das Interesse der Medizin gerückt.

Symptome

Die Diagnose kindlicher Kopfschmerzen stellt in der kinderärztlichen Praxis häufig ein spezifisches Problem dar, somit kann sie nur durch einen erfahrenen Kinderarzt gestellt werden. Migräne im Kindesalter ähnelt der Migräne im Erwachsenenalter nur zum Teil. Im Kindesalter kann eine Migräneattacke deutlich kürzer sein als die für Erwachsene typische Mindestdauer von vier Stunden. Kinder können sogar im Verlauf einer Migräneattacke einschlafen und nach kurzer Zeit fast schmerzfrei wieder erwachen.

Häufig stehen im Kindesalter Begleitsymptome des Magen-Darm-Trakts im Vordergrund. Bei Kindern ist die Migräne daher oft von ausgeprägter Übelkeit und Brechreiz begleitet. Auch Bauchschmerzen können auftreten, zum Teil auch ohne Kopfschmerzen. Nach der Pubertät kommt es bei einem Großteil der Kinder zu einer deutlichen Besserung oder sogar zum Verschwinden der Migräne.

Therapie schon im Kindesalter?

Die Therapie der Migräne im Kindesalter bereitet im Alltag häufig Schwierigkeiten. Auf lange Sicht ist dabei zu berücksichtigen, dass die Migräne nach erstmaligem Auftreten im Kindesalter bei ca. 50% der Patienten auch im Erwachsenenalter weiter besteht. Aufgrund dieser Prognose besteht ein erhöhtes Risiko für Schmerzmittelmissbrauch, medikamentös induzierte Dauerkopfschmerzen und schmerzmittelbedingte Komplikationen wie z.B. Nierenversagen. Häufig wiederkehrende oder chronische Kopfschmerzen müssen deshalb auch schon im Kindesalter frühzeitig, grundlegend und wirksam behandelt werden.

Wann besteht Therapiebedarf?

Eine Therapie sollte eingeleitet werden, wenn die Kopfschmerzen häufig auftreten, sehr stark sind oder lange anhalten und zu wiederholtem Schulausfall oder regelmäßiger Schmerzmitteleinnahme führen. Der Leidensdruck bei Mädchen steigt dabei vor der Pubertät deutlicher als bei Jungen an. Voraussetzung für jede sinnvolle Therapie der Migräne ist das Führen eines geeigneten Kopfschmerztagebuchs. Eltern und Kinder sollen darin über vier bis sechs Wochen die Schmerzstärke und Begleitsymptome wie Bauchschmerzen oder Übelkeit eintragen. Außerdem sollten sie auslösende Situationen und die Auswirkungen auf den Alltag aufschreiben. Falls Medikamente eingenommen wurden, gehört das ebenso dazu.

Erfahrungsgemäß führt die strukturierte Wahrnehmung und Dokumentation selbst bei länger bestehenden und häufig wiederkehrenden Kopfschmerzattacken in einigen Fällen zu einem Rückgang der Migräne.

Therapie der akuten Migräneattacke

Bei leichten Verlaufsformen mit seltenen Anfällen ist ein abwartendes Verhalten sinnvoll. Häufig helfen schon entspannende Maßnahmen wie Hinlegen in einem abgedunkelten und ruhigen Raum. Unterstützend wirkt oft ein kalter Waschlappen auf der Stirn. Auch leichtes Einmassieren von Pfefferminzöl an Schläfe, Scheitel und Nacken kann helfen, leichte bis mittelstarke Kopfschmerzen effektiv zu lindern.

Für die medikamentöse Akut-Therapie der Migräneattacke im Kindesalter werden Schmerzmittel wie Ibuprofen und Paracetamol empfohlen. Als Ausweichpräparat kann Dihydroergotamin als Tablette gegeben werden. In schweren Fällen kann Sumatriptan-Nasenspray verordnet werden.

Vorbeugung

Im Einzelfall ist auch im Kindesalter eine medikamentöse Prophylaxe der Migräne möglich, wenn z.B. mehrere Migräneattacken pro Monat und dadurch häufiges Schulversäumnis, sehr starke Schmerzen oder lange Schmerzattacken (mehr als 48 Stunden) auftreten und keine wirksame Akutbehandlung zur Verfügung steht. Die Einleitung einer medikamentösen Prophylaxe sollte durch einen Migränekalender gut begründet sein.

Im Vordergrund der vorbeugenden Behandlung stehen nichtmedikamentöse psychologische Verfahren der Verhaltensmedizin wie Stressbewältigungstraining und Sporttherapie, die gerade bei Kindern eine sehr hohe Erfolgsrate aufweisen.
Bei der progressiven Muskelentspannung lernen die Kinder die verschiedenen Muskeln ihres Körpers kennen, spannen sie nacheinander für kurze Zeit an und entspannen sie dann wieder. Im Kindesalter kommen Imaginationsaufgaben (z.B. Phantasiereisen) dazu.

Das autogene Training ist wenig wirksam und für Kinder unter zehn Jahren nicht empfehlenswert. Hierbei wird die Entspannung durch eine Aufmerksamkeitsumlenkung auf den Körper erreicht, verbunden mit der Vorstellung von z.B. Wärme oder Schwere.

Verhaltensmedizinische Multikomponentenprogramme sind meist aus folgenden Teilen zusammengesetzt:

  • Aufklärung über die Kopfschmerzen
  • Erkennen von Auslösern (Kopfschmerztagebuch)
  • Erlernen von Entspannungsverfahren
  • Erkennen eines Zusammenhangs zwischen Stresssituationen und körperlichen Reaktionen
  • Erlernen von Stressbewältigungsverfahren
  • Erlernen spezieller Schmerzbewältigung, wie z.B. Aufmerksamkeitsumlenkung

Solche Programme sind jedoch erst für Kinder ab ca. zehn Jahren geeignet.

Ernährung

In manchen Fällen kann eine Ernährungsumstellung zu einer Senkung der Migränefrequenz und -stärke führen, insbesondere bei Kindern mit häufiger Migräne (wenigstens einmal pro Woche) und weiteren Begleitsymptomen. Das Meiden folgender Nahrungsmittel oder -bestandteile kann einen positiven Einfluss auf Migräne bei Kindern haben:

  • Kuhmilch
  • Konservierungsstoffe
  • Weizenmehl
  • Lebensmittelfarbstoffe
  • Schokolade
  • Eier
  • Käse
  • Fisch
  • Soja
  • Tomaten
  • Schweinefleisch

Es muss jedoch individuell ausgetestet werden, welche Nahrungsmittel zu einer Verstärkung der Migräne führen können und inwieweit das Weglassen den gewünschten Erfolg bringt. Über welche Mechanismen hierbei die Migräne beeinflusst wird, ist unbekannt.

Akupunktur

Für die Akupunktur im Kindesalter liegen bislang keine gesicherten Erkenntnisse vor. Die bisherigen Ergebnisse könnten auf eine vorbeugende Wirkung bei der Migräne hindeuten. Wie auch bei Erwachsenen, kann keine abschließende Empfehlung für Akupunktur bei kindlicher Migräne gegeben werden, eine Wirksamkeit ist jedoch möglich. Sowohl für die Ernährungsberatung als auch für die Akupunktur bei kindlicher Migräne besteht weiterer Forschungsbedarf.