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Wassergeburt

Wassergeburt – eine echte Geburtserleichterung?

Diese Frage haben sich schwangere Frauen sicher schon oft gestellt. Und sie ist auch nicht so leicht zu beurteilen, denn so individuell eine Schwangerschaft auch verlaufen kann, so ist doch die Geburt eines Kindes ein sehr eigener Vorgang, den jede Frau anders empfindet.

Mit dem Element Wasser verbinden viele Menschen etwas Angenehmes: Sie fühlen sich wohl in der Badewanne, unter der Dusche oder im Meer. Wasser ist also ein äußerst wichtiger Bestandteil unseres täglichen Lebens – warum also nicht bei der Geburt?

Leider kann und sollte man eine Entbindung jedoch nicht nur unter dem Gesichtspunkt der harmonischen Gestaltung betrachten. Ganz klar muss getrennt werden, was für die Gesundheit von Mutter und Kind das Beste und was mehr oder minder „Hokuspokus“ ist! Denn das Geschäft mit den ängstlichen, am besten noch erstgebärenden Frauen boomt. Jede möchte eine natürliche, völlig stressfreie Entbindung haben – und dafür wird alles getan.

Sehr alt und bewährt

Die Wasserentbindung muss also unter den verschiedensten Gesichtspunkten beleuchtet werden, um einer sicheren Entscheidung Platz zu geben. Als Erstes ist zu erwähnen, dass schon seit jeher Frauen in vielen Teilen der Erde, z.B. Hawaii, Ägypten oder Neuseeland, die Wassergeburt praktizierten, ohne sich dabei viele Gedanken um ein erhöhtes Infektionsrisiko oder eine vernünftige CTG-Überwachung zu machen.

Doch die Bedürfnisse der Frau von heute sind gewachsen. Sie hat nicht nur ein Anrecht auf eine schöne, sanfte Geburt, sondern möchte auch die größtmögliche Sicherheit für ihr Kind. Ein warmes Bad ist schon lange eine wirkungsvolle Entspannungsmethode und darf in seiner Bedeutung nicht unterschätzt werden.

Erleichterung durch weniger Stress

Eine gebärende Frau hat viele Ängste, weil der Geburtsvorgang einer der extremsten Momente in ihrem Leben ist, der aus sich steigerndem Schmerz, Angst und Verspannung besteht. Das warme Wasser entspannt die verkrampften Muskeln und hilft bei der Muttermundöffnung. Die insgesamt meist als sehr angenehm empfundene Wärme und auch Leichtigkeit des Körpers im Wasser führen bei vielen gestressten und verängstigten Gebärenden zu einer relaxten Situation, was sich positiv auf den Geburtsverlauf auswirkt und diesen beschleunigt.

Prinzipiell kann man sagen, dass eine erkennbar unproblematische Entbindung sicherlich auch im Wasser stattfinden kann. Diese ist für manche Frauen eine gute Möglichkeit, sich die Geburt zu verschönern und auch zu erleichtern.

Infektion oder Tod durch Ertrinken

Gefährlich wird es erst dann, wenn z.B. eine Plazentainsuffizienz (eine ungenügende Funktion des Mutterkuchens), eine Nabelschnurumschlingung oder zu starke Wehen vorliegen. So kann es passieren, dass beim Neugeborenen der eigentliche Schutzreflex, das Wasser nach der Geburt nicht einzuatmen, versagt und es zu einer gefährlichen Einatmung von Wasser kommt. Dies kann nicht nur zu einer lebensbedrohlichen Infektion durch die Bakterien im Wasser führen, sondern auch zum Ertrinken des Kindes. Diese Aufhebung des physiologischen Schutzreflexes entsteht durch Sauerstoffunterversorgung des Kindes, weshalb z.B. Frühgeburten, ein auffälliges CTG oder auch grünes Fruchtwasser wichtige Kontraindikationen für eine Wasserentbindung sind.

Das erwähnte Infektionsrisiko kommt jedoch nicht nur bei tiefem Einatmen von Wasser vor, sondern auch durch Keime, die sich sehr gern in der Badewanne ansiedeln und zum Teil auch gegen Desinfektionsmittel resistent geworden sind. So wurde schon von kranken Neugeborenen berichtet, die sich durch solche „Badewannenkeime“ angesteckt hatten. Sicherlich ist dies ein eher seltener Vorgang, er sollte aber auf jeden Fall nicht übersehen werden.

Komplikationen kann schwerer entgegengewirkt werden

Auch Kreislaufprobleme der Schwangeren im warmen Wasser sind schon vorgekommen. Die Wassertemperatur sollte deswegen 36°C nicht überschreiten. Zudem müssen regelmäßige Blutdruck- und Pulskontrollen vorgenommen werden.

Die gefäßerweiternde Wirkung von warmem Wasser ist individuell sehr verschieden. Sicher ist jedoch, dass die sowieso schwierige Beurteilung von Blutverlusten im Wasser noch schwieriger wird. So kann hellrosa gefärbtes Wasser durchaus eine schwere Blutung von einem bis drei Liter bedeuten und so zu einer gefährdeten Kreislaufsituation von Mutter und Kind führen.

Auch bei Hindernissen während der Geburt sind schnelle Hilfe und Zugreifen erschwert. Das Aufstehen der Gebärenden aus der Badewanne und der Weg zum nahe stehenden Entbindungsbett sind alles andere als einfach, wenn es erst einmal zu Komplikationen gekommen ist.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die kontinuierliche CTG-Überwachung der Entbindung. Natürlich sind für die Wassergeburt spezielle CTG-Geräte entwickelt worden, trotzdem ist die Überwachung schwieriger als „an Land“.

Die richtige Wahl

Wie bei jedem Thema, gibt es auch für die Wassergeburt die verschiedensten Aussagen und Meinungen. Zunächst sollte man abwägen, von wem welche Aussage stammt. Ein Geburtshaus, welches sein Geld damit verdient, Wassergeburten durchzuführen, ist sicherlich eine schlechte Informationsquelle.
Wenn man davon ausgeht, dass eine Entbindung ohne Komplikationen verläuft und das ungeborene Kind einen reifen Entwicklungsstatus hat, ist gegen eine Wassergeburt prinzipiell nichts einzuwenden. Man kann dann auch das eventuell erhöhte Infektionsrisiko vernachlässigen und sich für die Entbindung im Wasser entscheiden. Es ist jedoch nicht von der Hand zu weisen, dass es bei Problemen schnell zu einem Abbruch oder gar nicht erst zu einem Beginn der Wassergeburt kommen kann.

Das Beste ist, wenn man sich als Schwangere nicht zu sehr von den „Trends“, die es in der Geburtshilfe genauso gibt wie in der Modebranche, beeinflussen lässt, sondern Sicherheit für Mutter und Kind vorrangig sind. Man muss sich immer darüber im Klaren sein, dass schwangere Frauen eine begehrte Zielgruppe sind, was nicht nur die Werbung für Babynahrung und Windeln, sondern auch die Geburtstechniken betrifft. Eine so wichtige Entscheidung sollte also nicht danach getroffen werden, ob Räucherkerzen angezündet, die Deckenbeleuchtung gedimmt und einem eine sanfte, ganz natürliche Geburt versprochen wird, sondern mit welcher Methode und wo man sich persönlich am besten aufgehoben fühlt.