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Spezialistenmangel erschwert die Diagnose bei ADHS

Frühe Diagnostik bei ADHS

Eine frühzeitige und leitliniengemäße Diagnostik ist entscheidend für die erfolgreiche Behandlung einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Doch nicht jedes Kind mit Verdacht auf ADHS wird in Deutschland so untersucht, wie es die ärztlichen Leitlinien vorsehen. Die Folge: übersehene Fälle und falsche Diagnosen. ''Bei vielen verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen wird eine vorhandene ADHS nicht rechtzeitig oder gar nicht erkannt'', sagt Professor Dr. Dr. Martin Holtmann, Ärztlicher Direktor der LWL-Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Hamm und Sprecher des wissenschaftlichen Beirats der Informationskampagne ''ADHS und Zukunftsträume''. ''Auch die Anzahl der Diagnosen muss hinterfragt werden'', fügt Holtmann hinzu. ''Denn bei manchen Patienten liegen andere Störungen vor, die ähnliche Anzeichen haben und nur durch eine gründliche Untersuchung von einer ADHS unterschieden werden können.''

Das Problem hat mehrere Ursachen. Laut Holtmann herrscht in Deutschland nach wie vor ein Mangel an spezialisierten Ärzten. Gleichzeitig sind die ADHS-Verdachtsfälle zahlreich und füllen die Wartezimmer. So manche Eltern werden durch lange Wartezeiten abgeschreckt. Hinzu kommt, dass die leitliniengemäße Diagnostik, gemessen am zeitlichen Aufwand, bei Kinder- und Jugendärzten nicht angemessen vergütet wird.

Um die Situation zu verbessern, hat der wissenschaftliche Beirat der Informationskampagne ''ADHS und Zukunftsträume'' konkrete Maßnahmen gefordert: ADHS muss als fester Bestandteil in die medizinische Grundausbildung aufgenommen werden. Im Rahmen der Kindervorsorgeuntersuchungen muss systematisch auf Anzeichen von ADHS geachtet werden. Eltern und Lehrer müssen besser über das Krankheitsbild aufgeklärt werden. Zudem sollten bundesweit Verträge zwischen Ärzten und Krankenkassen zur qualitätsgesicherten Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit ADHS geschlossen werden. ''Die geforderten Schritte sind umsetzbar. Es lohnt sich, in eine gute Versorgung der ADHS-Patienten zu investieren'', betont Holtmann.

(Quelle: djd/ pt; Foto: Isgro-Gesundheitskommunikation)