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Bettnässer

Bettnässen – ein Problem?

Immer noch ein beliebtes Tabuthema, aber von der Verteilung in der Bevölkerung häufiger als man denkt. Das nächtliche Bettnässen, auch Enuresis nocturna genannt, kommt bei ca. 15 Prozent aller Kinder vor. Sowohl die Eltern als auch die Kinder schämen sich, und so wird dieses Problem gern verschwiegen.

Zuerst einmal etwas zur Definition: Vom eigentlichen Bettnässen spricht man, wenn Kinder nach dem vierten Lebensjahr betroffen sind. Man unterscheidet eine primäre und eine sekundäre Enuresis.

Primäre und sekundäre Enuresis

Primär bedeutet, dass das Kind noch nie zuvor trocken war, sondern schon immer Probleme mit dem Bettnässen hatte. Sekundär bedeutet, dass das betroffene Kind nach zuvor schon erlernter Blasenkontrolle wieder einnässt.

Besonders bei der primären Form muss man organische Ursachen bzw. körperliche Erkrankungen ausschließen. Organische Ursachen sind z.B. immer wiederkehrende Harnwegsinfektionen oder Fehlbildungen der Harntrakts, die angeboren sein können. Es kann auch eine hormonelle Störung, wie der Mangel an ADH (Antidiuretisches Hormon), vorliegen, die mit einem Arzt abgeklärt werden muss. Um im Vorfeld herauszufinden, ob Ihr Kind eine dieser Erkrankungen hat, sind diese Fragen eine Hilfe:

  • War Ihr Kind schon mal eine längere Zeit trocken?
  • Hat Ihr Kind auch tagsüber Probleme mit der Blasenkontrolle?
  • Ist Wasserlassen für Ihr Kind allgemein ein Problem?
  • Geht Ihr Kind tagsüber sehr oft auf die Toilette?
  • Trinkt Ihr Kind überdurchschnittlich viel?
  • Hat Ihr Kind öfter Bauch- oder Unterleibsschmerzen?
  • Hat Ihr Kind Schmerzen beim Wasserlassen oder danach?
  • Ist der Urin blutig, trüb oder sieht irgendwie anders aus?
  • Wacht Ihr Kind nachts öfter auf, weil die Blase drückt ?
  • Ist der Harnstrahl "stotternd"?
  • Hat Ihr Kind schon öfters eine Harnwegsinfektion gehabt?

Wenn Sie eine oder sogar mehrere dieser Fragen mit "Ja" beantworten können, dann ist eine medizinische Untersuchung vom Kinderarzt unumgänglich und ein recht sicheres Indiz dafür, dass eine körperliche Erkrankung vorliegt.

Physische oder psychische Ursachen?

Das Gute an einer solchen organischen Ursache ist, dass diese mit Erfolg behandelt werden kann und somit das Problem im Keim erstickt wird. Man darf dabei nicht vergessen, dass natürlich auch eine seelische Ursache vorhanden sein kann, gerade dann, wenn keine organische Ursache gefunden wurde.

Bei der sekundären Enuresis kann auch eine körperliche Ursache vorliegen, jedoch überwiegt häufig die psychische Komponente. Oft beginnt das nächtliche Einnässen bei der Geburt eines Geschwisterchen, Scheidung der Eltern, körperlicher Gewalt oder sonstiger sozialer Verwahrlosung.

Bei diesen Kindern, aber auch bei der Enuresis allgemein, ist es das wichtigste, dass die Eltern nicht schimpfen oder bestrafen. Vorwürfe, Drohungen oder Schläge bewirken genau das Gegenteil, und die betroffenen Kinder geraten in eine Art Teufelskreislauf aus Angst, Scham und Hilflosigkeit. Das kann schwerwiegende psychische Störungen nach sich ziehen und das Kind in seiner weiteren Entwicklung zurückwerfen. Das A und O ist es also, mit Ruhe und Verständnis auf Ihr Kind einzugehen und eine stabile Bezugsperson darzustellen, denn kein Kind nässt aus Absicht ein.

Wichtig ist auch, das Trinkverhalten im Auge zu behalten. Eine abendliche Reduktion der Flüssigkeitszufuhr kann schon eine Verbesserung bewirken.

Natürlich ist das Bettnässen auch für die Eltern ein nervenaufreibendes Thema, welches Selbstzweifel oder Ärger hervorrufen kann. Gerade die Frage "Was mache ich bloß falsch?" wird oft gestellt und kann in den meisten Fällen nicht beantwortet werden. Aber keine Angst, daß Problem des Bettnässens löst sich in 80% der Fälle mit der richtigen Therapie und ist kein Grund zur übertriebenen Sorge. Und am besten kann Ihr Kind in einer entspannten, angstfreien Atmosphäre lernen, wie die Blasenkontrolle funktioniert.