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Über das Stillen

Fragen und Antworten zum Thema Stillen

Die Muttermilch ist das natürliche Nahrungsmittel des Neugeborenen und jungen Säuglings. Wenn Sie Ihr Kind stillen, geben Sie ihm nicht nur Nahrung für den Körper, sondern auch für die Seele.

1. Welche Nahrung ist für den Säugling in den ersten vier Lebensmonaten die optimale?

Die Muttermilch – sie ist von Natur aus auf die Bedürfnisse des Säuglings abgestimmt!

2. Was sind die Vorteile der Muttermilch?

  • Sie enthält alle Nähr- und Wirkstoffe, die der Säugling benötigt.
  • Sie birgt ein geringes Allergierisiko.
  • Sie enthält Abwehrstoffe und stellt daher einen Infektionsschutz dar.
  • Sie unterstützt die gesunde Kieferformung.
  • Sie ist auf das noch unreife Verdauungssystem des Neugeborenen abgestimmt (weniger Flatulenz und Durchfallerkrankungen).
  • Windeldermatitis ist seltener.
  • Übergewicht kommt bei Brustkindern seltener vor.
  • Sie ist kostenlos.

3. Hat der Stillvorgang an sich Vorteile?

  • Er fördert die Rückbildung der Gebärmutter.
  • Er Fördert die Mutter-Kind-Beziehung.
  • Er Stabilisiert die seelische Verfassung der Mutter.
  • Er Reduziert möglicherweise das Brustkrebsrisiko.

4. Wie bald nach der Entbindung kann mit dem Stillen begonnen werden?

Das Neugeborene sollte schon im Kreißsaal angelegt werden. Wenn es das Befinden der Mutter zulässt, soll ein gesundes Neugeborenes innerhalb der ersten 30 Minuten nach der Geburt angelegt werden, da zu diesem Zeitpunkt die Intensität des Saugreflexes einen ersten Höhepunkt erreicht. Durch den Saugreiz wird die Milchproduktion angeregt und gefördert.

5. Habe ich als Mutter schon während der ersten Tage nach der Entbindung Milch?

Nein, aber der Säugling bekommt die so genannte Vormilch, das Kolostrum.

6. Was ist das Kolostrum?

Kolostrum ist die Vormilch. Sie ist eine gelbliche, eiweißreiche Flüssigkeit, die von den Brustdrüsen ausgeschieden wird, bevor die Milchbildung voll einsetzt. Sie enthält viele Immunstoffe, die das Kind während der ersten Tage vor Infektionskrankheiten schützen.

7. Reicht die Vormilch zur Ernährung des Neugeborenen denn aus?

In jedem Fall für die erste Woche.

8. Und wann beginnt die richtige Milch zu fließen?

Das „Einschießen der Milch“ erfolgt ca. am dritten oder vierten Tag nach der Entbindung.

9. Wann und wie oft sollte der Säugling angelegt werden?

In der Regel, wenn er hungrig ist und schreit (feeding on demand).
Normale, gesunde Säuglinge können alle drei bis vier Stunden an der Mutterbrust trinken.

10. Wie lange sollte gestillt werden?

Bei gutem Gedeihen und nach Rücksprache mit dem Kinderarzt bis zum Ende des sechsten Monats. Vom ernährungsphysiologischen Standpunkt aus ist das Stillen über den sechsten Monat hinaus nicht mehr sinnvoll, da der Bedarf an Proteinen und Mineralien nicht mehr hinreichend gedeckt wird.

11. Woran erkenne ich, ob mein Baby ausreichend mit Milch versorgt wird?

Die Nahrungsaufnahme ist ausreichend, wenn

  • der Säugling ausreichend an Körperlänge und Gewicht zunimmt,
  • die Windeln richtig nass werden (täglich sechs bis acht Windeln),
  • der Säugling etwa alle zwei bis drei Stunden trinkt,
  • der Säugling eine gesunde Hautfarbe und eine geschmeidige Haut hat,
  • der Säugling munter und aktiv ist.

12. Warum will ein Baby so oft gestillt werden?

Viele Babys haben ein großes Saugbedürfnis oder suchen den intensiven Hautkontakt.

13. Warum sieht es oft so aus, als ob das Baby immer Hunger hat?

Muttermilch wird schneller verdaut. Sie belastet die noch nicht voll ausgereiften Verdauungsorgane weniger. Daher muss das Baby in kürzeren Abständen gefüttert werden.

14. Wie lege ich mein Baby richtig an?

Wichtig ist Ruhe und eine bequeme Position: In den ersten Tagen, wenn Sie noch im Krankenhaus sind, können Sie in Seitenlage stillen, später ist es günstiger, beim Stillen in einem bequemen Sessel zu sitzen. Das Baby liegt mit seinem Bäuchlein auf Ihrem Bauch. Der freie Arm hält die Brust zurück, damit das Kind die Brustwarze fassen kann.

Für das Baby ist es wichtig, einen Teil des Warzenhofes (der dunkle Bereich, der die Brustwarze umgibt) mit „einzusaugen“. Das schützt die Brustwarzen vor dem Wundwerden und entleert durch kräftiges Saugen die Milchgänge. Die Nase soll dabei frei bleiben. So kann das Baby richtig atmen. Um das Baby erneut anzulegen, z.B. um die Position zu korrigieren, streichen Sie Ihrem Kind einfach sanft über die Wange. In der Regel öffnet es den Mund weit.

15. Es kommt schon mal vor, dass ich während des Stillens zur Tür oder ans Telefon muss. Wie stelle ich es dann am besten an, das Kind zur Unterbrechung des Stillens von der Brust zu bekommen?

Dies ist eine gute Frage, denn die „Saugkraft“ des Babys ist so stark, dass beim einfachen Wegziehen des Kindes die Brustwarzen schnell wund werden. Daher führen Sie zum Pausieren Ihren kleinen Finger in den Mundwinkel des Babys ein und heben dadurch den Unterdruck im „Babymund“ auf. Das Baby wird dann reflektorisch den Mund öffnen.

16. Was kann eigentlich das Stillen erschweren bzw. unmöglich machen?

Man spricht allgemein von Stillhindernissen. Diese können sowohl auf Seiten der Mutter als auch auf Seiten des Kindes bestehen.

Stillhindernisse auf Seiten der Mutter:

  • chronisch konsumierende Krankheiten (z. B. Krebs)
  • Unterernährung
  • Psychosen
  • Epilepsien
  • Aids, Hepatitis B und Zytomegalie können durch Stillen übertragen werden
  • lokale Hindernisse wie Flach- und Hohlwarzen, Rhagaden (Hauteinrisse)

Stillhindernisse auf Seiten des Kindes:

  • Unreife / Frühgeburt
  • Kind ist klein, schwach
  • bestimmte Herzfehler
  • Pneumonie
  • Spaltbildungen der Mundhöhle
  • (z. B. Gaumenspalte)

In diesen Fällen stehen Ihnen Ihr Arzt und Ihre Hebamme beratend zur Seite. Grundsätzlich gibt es nur wenige Fälle, wo auf die gute Muttermilch verzichtet werden muss.

17. Stimmt es, dass Frauen, die sich operativ die Brüste vergrößern lassen, nicht stillen können / dürfen?

Die meisten Frauen mit Brustimplantaten können gut stillen. Es ist auch nicht bekannt, dass Stillen mit Silikonimplantaten in der Brust dem Baby schadet. Bei Frauen, bei denen die Brustvergrößerung durch einen chirurgischen Einschnitt um den Brustwarzenhof erfolgte, können allerdings Probleme bezüglich der Milchmenge auftreten.

18. Kann es vorkommen, dass ich zu wenig Milch bilde?

Keine Angst, die meisten Frauen haben Milch in ausreichender Menge. Gedeiht das Kind nur ungenügend oder nimmt sogar ab, ist dies oftmals Folge des falschen Anlegens. Deshalb ist es wichtig, dass Sie sich nach der Entbindung von einer erfahrenen Person zeigen lassen, wie das Neugeborene richtig an die Brust anlegt wird.

19. Ich habe mein Baby einige Tage nicht gestillt. Wird die Milch dann sauer?

Nein, auf keinen Fall. Die Milch ist so gut wie immer. Die Milch in der Brust ist nicht mit Kuh- oder Flaschenmilch zu vergleichen.

20. Darf ich nach dem Sport stillen?

Selbstverständlich. Es gibt absolut keinen Grund, warum eine Mutter nach der sportlichen Betätigung nicht stillen sollte.

21. Ich habe Angst, nicht ausreichend Milch zu haben, denn während der Schwangerschaft haben sich meine Brüste fast gar nicht vergrößert!

Diese Angst ist oftmals unberechtigt. Frauen, die nicht genug Milch produzieren können, sind eher eine Seltenheit. Einige dieser Frauen berichteten, dass ihre Brüste während der Schwangerschaft nicht größer geworden sind. Die Mehrheit der Frauen, deren Brüste während der Schwangerschaft scheinbar nicht größer geworden sind, haben jedoch mehr als ausreichend Milch.

22. Muss ich, wenn ich an einer Infektion (Erkältung) erkrankt bin, mit dem Stillen aufhören?

Den besten Schutz, den Sie Ihrem Baby in dieser Situation anbieten können, ist das Weiterstillen. Damit schützen Sie das Kind effektiv vor der Infektion. Im Allgemeinen ist es so, dass die Erreger, die bei Ihnen zum Krankheitsausbruch führten, eine geraume Zeit vorher bereits vorhanden waren. In dieser Zeit kann sich das Baby schon angesteckt haben. Über die Muttermilch werden Abwehrkörper gegen Infektionen übertragen, so dass hiermit dem Kind ein gewisser Schutz vor dem Ausbruch der Infektionskrankheit mitgegeben wird.

Sollten Sie unter einem schweren bakteriellen Infekt leiden, kann es notwendig sein, auf ein Antibiotikum zurückzugreifen. Auch dabei ist es je nach Antibiotikum möglich, weiter zu stillen. Hierauf sollte der verschreibende Arzt Rücksicht nehmen. Jede Krankheit während des Stillens stellt eine Belastung Ihres Organismus dar. Gönnen Sie sich daher viel Ruhe.

23. Meine Brüste fühlen sich nicht voll an, daher befürchte ich, dass ich zu wenig Milch habe.

Die Brüste müssen sich keineswegs voll anfühlen, um viel Milch zu produzieren. Ihr Körper passt sich bereits wenige Tage nach der Entbindung den Bedürfnissen ihres Babys an. Es ist daher normal, wenn sich nach einiger Zeit die Brüste weniger voll anfühlen. Dies ist eher ein Zeichen dafür, dass sich „Bedarf und Angebot“ eingependelt haben. Anzumerken ist, dass die Brust nie „leer“ sein kann, solange das Baby daran saugt.

24. Ich bin Raucherin. Sollte ich besser nicht stillen?

Sicherlich ist es sowohl für Sie als auch für das Kind besser, ganz auf das Rauchen zu verzichten. Sollten Sie allerdings nicht mit dem Rauchen aufhören bzw. es einschränken können, ist es allemal besser, das Kind zu stillen, als ihm Flaschenmilch zu geben. Wie Sie sicherlich wissen, bietet die Muttermilch einen gewissen Schutzeffekt, den Sie Ihrem Kind nicht vorenthalten sollten.

25. Mein Baby ist an Durchfall erkrankt. Darf ich es weiter stillen?

Die beste Behandlung einer Darminfektion (Gastroenteritis) ist Stillen. Mit der Muttermilch nimmt das Baby die Antikörper der Klasse IgA auf. Diese kleiden die Darmwand aus und schützen zusammen mit weiteren Immunfaktoren Ihr Neugeborenes.
Durchfälle nach der ersten Milchfütterung können auch Ausdruck einer Stoffwechselerkrankung, wie zum Beispiel Lactase (sog. Laktoseintoleranz), sein. Hier ist es wichtig, den Kinderarzt aufzusuchen.

Es ist nicht unbedingt nötig, laktosefreie Milchersatznahrung zu geben. Fragen Sie in der Apotheke nach Lactase-Tropfen, die bei Laktoseintoleranz kurz vor der Stillmahlzeit gegeben werden.

Wichtig ist zu wissen, dass bei Durchfall und Erbrechen das Kind viel Flüssigkeit verliert. Es ist daher auf eine großzügige Flüssigkeitsgabe (am besten Muttermilch) zu achten.

26. Darf ich eigentlich weiterstillen, wenn ich Medikamente einnehmen muss?

Es gibt nur wenige Medikamente, die während der Stillzeit nicht eingenommen werden dürfen. Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker zu Ihrem Medikament. Sollte ein Medikament tatsächlich nicht eingenommen werden dürfen, so gibt es sicherlich eine „erlaubte“ Alternative.

27. Was kann ich tun, wenn der Säugling während des Stillens einschläft?

Säuglinge sind oft müde und würden am liebsten den ganzen Tag schlafen. Man kann den schläfrigen Säugling behutsam wieder aufmuntern. Streicheln Sie Ihr Baby, massieren es sanft und sprechen mit ihm.

Im Gegensatz zum empfohlenen Leertrinken einer Brust kann man bei einem müden Kind alle zehn Minuten die Brust wechseln, damit jederzeit genug Milch fließt und das Kind das Interesse nicht verliert.

28. Ist es erlaubt, Brustmahlzeiten zu überspringen, wenn das Baby nicht aufwacht?

In den ersten Tagen sollten Sie am besten kein Anlegen auslassen, damit der „Stillreiz“ die Milchproduktion anregt. Vielmehr sollten Sie das Kind alle zwei Stunden zum Stillen wecken.